Hundetraining als großes Spiel begreifen

BBC-Hundetrainer Chirag Patel spricht in Niedermittlau über Trainingsmethoden für Hundetrainer

Hasselroth-Niedermittlau. Flauschige Fellnasen und fröhliche Vierbeiner, die ihrem Herrchen stets treu zur Seite stehen – der Traum vom Haustier klingt in der Theorie ganz einfach. Dass es in der Praxis dann aber mitunter doch etwas komplizierter werden kann, weiß Tiertrainer und Verhaltens-Experte Chirag Patel. Als einer von vier Experten besucht er in der britischen Fernsehsendung „Nightmare Pets SOS” Herrchen und Frauchen, die Schwierigkeiten bei der Erziehung ihrer tierischen Mitbewohner haben. Am Mittwoch und Donnerstag war er zu Gast in Niedermittlau und Hundetrainern und Fachpublikum  Tipps und Hinweise für das erfolgreiche Hundetraining. Dabei betont er ganz klar: „Es geht darum, gemeinsam Spaß zu haben.“

Viel zu oft passiere es, dass man sich beim Üben mit dem Hund zu sehr auf den Aspekt des Trainings versteife, erklärt Patel. Das Ergebnis: Das Training wird für Hund und Herrchen langweilig oder zu anstrengend. Viel besser sei es, das Training wie ein großes Spiel zu gestalten. „Im Prinzip ist das so, wie wenn man ein Kind erzieht: Wenn es Spaß hat, spannende Lehrer in der Schule und deshalb Freude am Lernen hat, dann lernt es auch besser.“ Klingt einleuchtend. Das dies in der Praxis nicht immer so leicht ist, weiß jeder, der schon einmal versucht hat, dem eigenen Vierbeiner versucht hat Sitz, Platz oder vielleicht einen kleinen Trick beizubringen. Wer dann allerdings zusieht, wie der englische Experte dies mit ihm völlig unbekannten Hunden scheinbar spielend und in Rekordgeschwindigkeit schaffte, der glaubt zu Recht dass es hier doch einen Trick geben muss. Welche Tricks und Arbeitsmethoden das sind, verriet Patel am Mittwochabend beim Workshop-Auftakt in einem Vortrag unter dem Titel „Training Tools for dog Trainers“, in dem er seine Erfahrungen an die Zuhörer weiter gab. Am Donnerstag ging es dann in die praktische Übungsphase.

 

Spaß am Lernen

Hierfür durften sechs Seminar-Teilnehmer ihre Hunde mitbringen und dem Tiertrainer erzählen, welche Schwierigkeiten oder Probleme es mit diesen gibt. Mit viel Geduld hörte sich Patel jeden Bericht an bevor er dann zur Tat schritt und zeigte, mit welchen Übungen man den unterschiedlichen ungewünschten Verhaltensweisen entgegen treten kann. Mit einer großen Portion Leckerlies, Geduld und Zuneigung zog er die Vierbeiner dabei schnell auf seine Seite. „Wenn wir gute Lehrer sind, können wir das auch weiter geben“, ist er überzeugt. Denn das Schöne sei, dass die Fähigkeiten, einem Hund etwas beizubringen nichts sei, was man entweder habe oder nicht. Es sei etwas, das man lernen könne. „Es geht nur darum zu wissen, wie man unterrichten muss.“ Patel selbst arbeitet seit 15 Jahren als Tiertrainer und entwickelte das Tiertrainingsprogramm „Domestic Manners“.

Am Ende ginge es darum, dem Tier mit Respekt zu begegnen und diesem auch eine gewisse Freiheit einzuräumen. Seine Botschaft ist deshalb einfach: „Man sollte das Training nicht als Ziel einer großen Reise sehen, sondern mehr die Reise an sich in den Fokus stellen.“

Ein Rat, der auch bei seinen Zuhörern großen Anklang fand. Die Veranstaltung erfolgte in englischer Sprache, Verständigungsschwierigkeiten oder Sprachhemmungen gab es dabei aber keine. Im Gegenteil: Das interessierte Fachpublikum nutzte die Gelegenheit, den Experten mit zahlreichen Fragen zu löchern und möglichst viele Informationen und Tipps aus den beiden Tagen mitzunehmen. Die Teilnehmer waren dabei aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich nach Niedermittlau gekommen um den bekannten Fernseh-Experten live zu erleben. „Training ist eine Kunst“, findet Tierarzt Stephan Gronostay, der sich auf Verhaltenstherapie spezialisiert hat. Auch wenn ihm als Fachmann viele der Ausführungen Patels bekannt sein, nimmt er viel aus dem Workshop mit.  Er ist überzeugt: „Je mehr gute Trainier man sieht, desto flexibler ist man selbst in der Umsetzung dieser Kenntnisse.“ Man erhalte so einen anderen Blickwinkel auf die Dinge.

 

Gewaltfreies Hundetraining mit Herz und Kopf

Patel war dabei bereits mehrmals in der Region zu Gast, wie die Initiatorin der Veranstaltung Yesim Bilz von der Hundeschule Bilz in Gründau berichtete. Sie selbst war schon zu Kursen bei Patel in England zu Gast, kennt diesen daher persönlich und freut sich, dass er der Einladung gefolgt ist. Dabei hebt sie vor allem einen Aspekt von Patels Trainings-Philosophie hervor: „Es geht hier um wirklich gewaltfreies Hundetraining.“ Denn längst nicht überall wo gewaltfrei drauf stehe, sei dies auch immer wirklich drinnen. Nur weil Hunde so viel verzeihen müsse man das aber nicht ausreizen, ist sie überzeugt. „Was ich mit einem Tiger nicht machen würde, sollte ich auch mit einem kleinen Mischling nicht machen.“ Das sieht auch Nicole Pendl aus Wächtersbach so, die Patels Wertschätzung für das Tier lobt: „Das Tier steht bei ihm im Vordergrund, nicht der Mensch.“ Und wenn beide zusammen als entspanntes Team arbeiten, klappt es eben auch mit dem Training wie im Spiel.

Foto und Text von Jutta Link (GNZ)